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AIDS-Hilfe Rheinland-Pfalz e.V.

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HIV- & STI-Testverfahren

Den HIV-Test gibt es gar nicht: Mittlerweile liegen eine Vielzahl unterschiedlicher Testverfahren vor. Aber nicht jeder Test ist für jede_n und zu jedem Zeitpunkt sinnvoll!

Hier erfahren Sie Grundlegendes zu folgenden Testverfahren:

HIV-Antikörper-Test

Der Antikörper-Test ist der „Klassiker“ der HIV-Diagnostik: Über eine Blutprobe wird das Vorliegen von HIV-Antikörpern getestet.

Antikörper oder Immunglobuline sind Proteine, die unser Immunsystem zur Abwehr von Krankheitserregern bildet.

HIV-Antikörper weisen somit zuverlässig auf das Bestehen einer HIV-Infektion hin.

Es kann allerdings bis zu zwölf Wochen nach einer HIV-Infektion dauern, bis die HIV-Antikörper eindeutig nachweisbar sind.
Das heißt erst zwölf Wochen nach einem Risiko ist ein HIV-negativer Befund im Antiköper-Test wirklich aussagekräftig.

Natürlich ist es wichtig sicherzustellen, dass der Antikörper-Test weder falsch positiv noch falsch negativ ausfällt.

Deswegen besteht der Antikörper-Test eigentlich aus zwei Tests: dem Suchtest ELISA, der hochsensitiv HIV-Antikörper aufspürt, und – im Falle eines Anschlagens des ELISAs – einem Bestätigungstest wie etwa dem WESTERN-BLOT, der hochspezifisch mögliche „Fehlalarme“ etwa durch andere Antikörper ausschließt.
Ein reiner Antikörper-Test ist mittlerweile veraltet und dürfte daher nur noch in Ausnahmen zum Einsatz kommen.

ahrlp_junges_paar_10HIV-Antigen-Antikörper-Test

Die modernen HIV-Tests beinhalten neben dem Antikörper-Test noch eine zweite Testkomponente. Antigene sind Bestandteile des HI-Virus‘.

Ein ganz bestimmter Virusbestandteil, das so genannte „p24-Antigen“, kann in vielen Fällen bereits etwa zwei Wochen nach HIV-Infektion festgestellt werden.

p24 ist allerdings nur solange nachweisbar, wie es frei im Blut auftritt.

Sobald sich HIV-Antikörper bilden, binden sie das freie p24 und führen dadurch zu dessen Zerstörung durch andere Immunzellen.

Das ist für die Antigen-Antiköper-Tests aber unproblematisch: Denn dann schlägt ja die Antikörper-Komponente des Tests wie gewohnt an.

Auch beim Antigen-Antikörper-Test gibt es einen hochsensitiven Suchtest ELISA und einen hochspezifischen Bestätigungstest WESTERN-BLOT.

Die Verwendung des auch „Antikörpertest der 4. Generation“ genannten Antigen-Antikörper-Tests ist heute in allen Gesundheitsämtern und den allermeisten Arztpraxen & Krankenhäusern Standard.

Ein HIV-positiver Befund im Antigen-Antikörper-Test ist zu jedem Testzeitpunkt zutreffend. Ein negativer Befund ist sechs Wochen nach einem Risiko aussagekräftig. Man spricht hier auch vom so genannten „Diagnostischen Fenster“.

Nach erfolgter Blutabnahme dauert es etwa 3 – 5 Tage, bis das Testergebnis vorliegt.

ahrlp_junges_paar_3HIV-Schnelltest und HIV-Selbsttest

Die Bezeichnung „Schnelltest“ ist irreführend: Denn der Schnelltest sollte auf keinen Fall „schneller“ (also im Sinne von früher) durchgeführt werden als der reguläre Test.

Ganz im Gegenteil: Ein HIV-negativer Befund im Schnelltest ist sogar erst zwölf Wochen nach einem Risiko aussagekräftig (Stand: Dezember 2018), weil ihm entweder die p24-Antigen-Komponente gänzlich fehlt oder sich zumindest nicht sicher sagen lässt, ob die Antigen-Komponente des Tests auch sicher funktioniert.

Allerdings kann der Schnelltest schneller ausgewertet werden als der Labortest. Je nach Verfahren dauert es von der Blutabnahme bis zum Vorliegen des Befundes zwischen einer und zwanzig Minuten.

Bei einem modernen Antikörper-Schnelltest auf der Basis einer Blutabnahme ist ein negativer Befund zwölf Wochen nach dem letzten Risiko jedoch genauso sicher wie ein negativer Befund beim Antigen-Antikörper-Test.

Die „Schnelligkeit“ der Auswertung wird allerdings mit einem Nachteil erkauft: Denn beim Schnelltest gibt es nur einen Test. Also anders als beim Antigen-Antikörpertest, der aus einem Such- und einem zusätzlichen Bestätigungstest besteht.

Die Folge: Es kann manchmal zu einem falsch-positiven Testergebnis kommen. Das heißt, der Test springt an, obwohl in Wirklichkeit gar keine HIV-Infektion vorliegt.

Wichtig: Im Falle eines „positiven“ Schnelltest-Befundes muss erst ein regulärer Antigen-Antikörper-Test nachgeschaltet werden.

Daher spricht man auch nie von einem positiven Schnelltest-Befund.

Schlägt der Test an, so ist das Ergebnis reaktiv: das heißt der Test hat auf irgendetwas angeschlagen – worauf genau, muss dann erst noch untersucht werden.

HIV-Schnelltests werden in einigen – aber nicht in allen – Gesundheitsämtern in Rheinland-Pfalz angeboten.

Übrigens: Tests, die mit Mundflüssigkeit (also einem Abstrich der Mundschleimhaut) oder mit Urin arbeiten, sind weniger sicher und in Deutschland daher nicht zugelassen. Das trifft genauso auf die entsprechenden Selbsttests aus dem Internet zu. Einen Überblick über die aktuell zugelassenen Selbsttests mit Links zur Gebrauchsanweisung sowie zu Benutzervideos finden Sie auf den Seiten des Paul-Ehrlich-Instituts.

ahrlp_junges_paar_7PCR-Test (HIV)

Beim PCR-Test wird Blut auf das Vorliegen viraler Erbsubstanz hin untersucht. Somit ist der PCR-Test ein „Virusdirektnachweis“ für HIV.

Außerdem lässt sich über den PCR-Test auch die Viruslast, also die Menge der im Blut vorhandenen Viren bestimmen.

Daher dient der PCR-Test vor allem der Kontrolle des Erfolgs einer HIV-Therapie:

Ist die Viruslast aufgrund der Therapie so niedrig, dass der PCR-Test nicht mehr anschlägt, spricht man von „Viruslast unter der Nachweisgrenze“.

Dann ist ein HIV-Infizierte auch quasi nicht mehr infektiös.

Der PCR-Test kann HIV ab dem 15. Tag nach der Infektion nachweisen. Damit ist er früher einsetzbar als alle anderen Testverfahren.

Allerdings gibt es beim PCR-Test folgende Einschränkungen:

  • Der PCR-Test kann nur HIV-1, nicht jedoch das (in Deutschland allerdings seltene) HIV-2 nachweisen.
  • Bei erfolgreicher Therapie kann der PCR-Test kein HIV nachweisen. Antikörper wären jedoch auch dann noch nachzuweisen.
  • Bei einigen wenigen Menschen kann das Immunsystem die Infektion auch ohne Therapie in Schach halten. Diese so genannten „elite controller“ weisen negative PCR-Befunde auf, obwohl sie in Wirklichkeit HIV-positiv sind.

Der entscheidende Nachteil des PCR ist jedoch ein ganz pragmatischer: Da ihn nur sehr wenige Speziallabore anbieten, sind seine Kosten mitunter hoch.

Als ein erster „Suchtest“ ist ein PCR-Test daher in der Regel weniger geeignet. Er kann aber nach Anschlagen eines ELISAs (Suchtests) als Bestätigungstest (alternativ etwa zum WESTERN BLOT) eingesetzt werden.


STI-Schnelltests

Ähnlich wie bei HIV gibt es auch zum Nachweis anderer sexuell übertragbarer Infektionen Schnelltests. Mitunter sind diese Schnelltests allerdings weniger sensitiv als die regulären STI-Testverfahren. Unseres Wissens nach kommen sie bei den Gesundheitsämtern und Testprojekten in Rheinland-Pfalz bislang nicht zur Anwendung.